Warum gibt es die Ausbildung Tänze des Lebens?

Im Juni 2005 beim Biodanza-Encounter in Canterbury / England saß ich mit Rolando Toro Araneda beim Frühstück. Aufgeregt… an einem Tisch mit dem großen Meister!

Rolando Toro und Lamia Kriener

Rolando Toro und Lamia Kriener bei der Didacta Fortbildung in Italien 2010

Mir brannte eine Idee auf der Seele und so erzählte ich ihm, dass ich es toll finde, Biodanza mit dem Jahreskreis zu verbinden. Die Jahreskreisfeste der neopaganen Bewegung hatte ich schon mehr als 10 Jahre vor meiner ersten Berührung mit Biodanza kennen gelernt – zuerst bei einem Workshop mit Ziriah Voigt, den ich mit meiner besten Freundin Beate in einem der drei Frauenbildungshäuser in Deutschland besucht hatte. Mich hatte es sofort gepackt. Ich besuchte Seminare, lernte wie man Rituale gestaltet und praktizierte regelmäßig in unterschiedlichen selbstorganisierten Gruppen, die manchmal auch nur aus zwei oder drei Frauen bestanden. Auch in meine damalige – noch nebenberufliche – Tätigkeit als Tänzerin flossen diese Ideen schon ein.

Rolando meinte zu mir: „Ja, wenn es dein Herz bewegt, mach es doch und schreibe für uns darüber“.

Die Gelegenheit zu spüren, und zu zeigen, wie sehr es mein Herz bewegt, hatte ich dort, am gleichen Tag. Ich gab in Canterbury mit meiner Kollegin Maria Sagué unsere erste Vivencia vor 70 Menschen, unter Supervision von Rolando Toros Sohn Rolo zum Thema „Die rote Kraft“.

Und abends tanzte ich im Rahmenprogramm auf der Bühne eine eigene Solo-Choreografie für die Biodanza-Community von 400 Menschen, darunter Rolando Toro Araneda, Rolando Toro Acuna, Marcelo di Matteo, Patricia Martello, Ercilia Orellana… „Into summer“ – mein getanzter Weg durch den Jahreskreis von der visionären lichtbringenden Eisprinzessin zu Lichtmess bis zur sinnlich erotischen Powerfrau zur Sommersonnenwende. Ja, dass ich mich mit diesen unterschiedlichen Facetten tänzerisch ausdrücken konnte, verdanke ich auch Biodanza. Denn die Erfahrungen damit haben mir Mut gemacht, nicht nur schöne Bewegungen, sondern auch mein Herz zu zeigen. Der Auftritt war ein Riesenerfolg. Der Grundstein war gelegt.

So fand mein Wunsch ein festes Fundament: Tanzen und der Jahreskreis, Biodanza und Rituale, Bewegung und Schamanismus… Ich habe gespürt wie sehr es mein Herz bewegt. Und das tut es auch heute, denn seither habe ich kontinuierlich an diesem Thema weitergearbeitet. Meine Biodanza-Abschlussarbeit „Biodanza als Ritual im Jahreskreis“, meine Kurse und Gruppen, Workshops, Seminare… ich bewege mich anhand des Jahreskreises durch mein Leben. Verbunden mit der Energie der Jahreszeiten, des zyklischen Werdens und Vergehens in der Natur, der organischen Atmung von Mutter Erde und damit immer ganz nah an der Energie, die uns alle durch unseren Alltag trägt.

„Tänze des Lebens“ nenne ich es. Tanzpädagogik, Selbsterfahrung, Lebensphilosphie… Für mich ist es Zeit, mein Wissen weiter zu geben. Aus dem Rahmen, den die Biodanza-Ausbildung vorgibt, bin ich hinaus gewachsen. Es gibt auch dort Menschen, die einen weiten Horizont haben. Eine Fähigkeit, die ich sehr schätze. Es gibt viele, die Rolandos Worte: „Nehmt dieses System und macht etwas daraus!“ so verstanden haben wie ich. Nämlich, dass es nicht darum geht, welches Label etwas trägt, sondern ob du selbst es verstanden und verinnerlicht hast – auf einer ganzheitlichen Ebene. Ob du für die Idee brennst, weit über persönliche und finanzielle Interessen, weit über dein eigenes Ego hinaus. Die Welt bleibt nicht stehen. Für Rolando war „Free as a bird“ von den Beatles ein innovatives Erlebnis und im Tanz jede Note des Liedes ein Genuss. Das funktioniert auch heute noch, aber den Beatles sind andere geniale Musiker gefolgt. Menschen haben ihre Bewegungsmuster verändert. Kultur und Gesellschaft haben sich weiter entwickelt… die Basis bleibt Rolandos Idee „mehr Leben im Leben zu schaffen“. Menschen motivieren, Räume für Heilung und Begegnung kreieren, die Heiligkeit des Lebens in jeder Zelle spüren und gemeinsam feiern. Dafür ist es weiterhin wichtig, Menschen zu erreichen und sie zum Tanzen zu bringen. Und dort setze ich nun meinen Weg fort.

Biodanza gibt meiner Arbeit ein solides Fundament, das ich hoch schätze. Aber es gibt soviel Wissen, das über den dort vorgegebenen Rahmen hinaus geht; so viele Tänze, Erfahrungen und Hintergründe, mit denen ich seit Jahren praktiziere, die ich erforsche und anwende, dass ich nun mutig den Schritt gehe, „mein eigenes Ding“ zu machen. Danke an alle liebevollen Unterstützer, Freunde, und vor allem an Rolando für diese geniale Basis.

Die Ausbildung „Tänze des Lebens“ beginnt im Februar 2018 in Köln. Informationen folgen auf dieser Website. Anfragen sind gern willkommen.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Lamia,
    wie immer mutig, tatkräftig, lebensbejahend! Vom Herzen freue ich mich, daß du diesen nächsten Schritt wagst. Mit deinem scharfen Denken, deinem feinen Gespür, deiner großen Sensibilität, deiner – ja soliden! – Leichtigkeit und deiner Herzlichkeit verfolgst du konsequent und ehrlich deinen Weg und hast einen sicheren Boden in dir selbst ihn zuversichtlich weiter zu gehen/entwickeln/teilen !!
    Herzlichen Glückwunsch, liebe Lamia und alles Gute!!
    Mit einem riesigen und freudigen abrazo,
    Maria

  2. Liebe Lamia, das liest sich wunderbar…und ich wusste bisher noch gar nicht, dass wir das gleiche Thema zum Biodanzaabschluss gewählt haben 🙂 Ich wünsche dir von Herzen, dass deine Vision in einen fruchtbaren Boden fällt und dein ganzer Reichtum an Wissen vielen Menschen einen Raum für Wachstum schenken darf!

  3. Hallo Lamia, schön, dass Du das „Label“ Biodanza nicht in den Vordergrund stellst und Dein eigenes Ding daraus machst. Ich bin derzeit übersättigt von Biodanza, da sich, wenn „Frau“ jahrelang mitgetanzt hat, vieles wiederholt, wenn auch unter verschiedenen Themen und mit immer wieder aufregenden Begegnungen. Der Raum für wirklich Neues und Eigenes, vor allem wenn „Frau“ neugierig auf das LEBEN ist, ist für erfahrene Biondanceros begrenzt. Das wofür du „brennst“ wird unweigerlich erfolgreich sein.

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