Rituale

Rituale – Wege der Heilung

Wenn man Menschen auf das Thema „Rituale“ anspricht, hört man Aussagen wie z.B.. „Ja, die Zigarette nach dem Essen“ oder „Bei uns gibt es Heilig Abend immer ….(dann folgt ein bestimmtes Gericht) zu essen, dann packen wir die Geschenke aus, das ist unser Ritual“.

Was macht aus einer immer wiederkehrenden Handlung ein Ritual?

Allgemein kann man natürlich schon sagen, dass ein Ritual als eine bestimmte Handlung immer wiederkehrt, also zyklisch ist. Diese Handlung kann dem Kalender folgen, also der Zeit, und ist beispielsweise Weckritual, das Bad am Samstag oder die Sonnenwende.

Rituale sind aber auch lebensbezogen und werden bei bestimmten Ereignissen gefeiert – wir kennen Rituale zu Geburt und Tod, zur Hochzeit oder als Initiationsritual (wie Konfirmation oder Kommunion). Als „Interaktionsrituale“ sind sie Bestandteil unseres Alltags, z.B. als Grußrituale, oder im Geschäftsleben als Rituale der Höflichkeit und/ oder des Respekts. Sie weisen also eine bestimmte Struktur auf.

Häufig sind Rituale im Bereich der Religion verankert, das bedeutet, sie finden Anwendung bei der Ausübung einer Religion.

Das Besondere ist jedoch, dass Rituale an sich religionsunabhängig sind. Rituale sind spirituell. Sie dienen in allen Religionen dem spirituellen Hintergrund (auf dem jede Religion basiert) und geben spirituellen Handlungen eine bestimmte Struktur.

Und damit wenden wir uns der ursprünglichen Bedeutung des Rituals zu:

Rituale ermöglichen die symbolische Auseinandersetzung mit den Grundfragen der menschlichen Existenz. Sie geben Sicherheit und Struktur, unterstützen den Glauben an einen Lebenssinn und gehen über Alltagshandlungen weit hinaus.

Sie können in schwierigen Lebenssituationen unterstützend wirken, Halt und Orientierung vermitteln und den Umgang mit der Welt und den eigenen Lebensaufgaben erleichtern. Damit dienen Sie der Heilung und fördern die Kommunikation und das Zusammenleben unter uns Menschen.

Wieweit die Zigarette nach dem Essen das auch kann, soll hier nicht vertieft werden… 😉

Spezielles

Für Biodanza- Leiter/ innen bietet die Idee, Biodanza im Jahreskreis anzubieten, Struktur und neue Impulse. Über das Anknüpfen der Biodanza- Sessions an die Vorgänge in der Natur und explizit an die jeweilig entsprechenden Themen und Inhalte, die damit verbunden sind, lässt sich ein konkreter Alltagsbezug herstellen. Das erleichert den Teilnehmern/ innen die Integration von Biodanza in den Alltag und fördert insbesondere die Linie der Transzendenz.

Als Biodanza- Leitern/ -leiterinnen profitieren wir deutlich von der Struktur, die der Jahreskreis vorgibt.

Biodanza und der Jahreskreis…

…haben grundlegende Gemeinsamkeiten:

  • Das Schaffen eines Raumes für besondere spirituelle und heilsame Erfahrungen.
  • Das Feiern der Gemeinsamkeit und gegenseitige Unterstützung.
  • Der Sinn, der in der Heilung und spirituellen Entwicklung des Einzelnen und der Gemeinschaft liegt.
  • Die spirituelle Verbindung zu einer übergeordneten Schöpfungskraft, einer Göttlichkeit, die ideologiefrei ist, und sich keiner etablierten Religion zugehörig versteht.

Biodanza mit seinem Konzept des Eintauchens in das „Erleben“, in die gemeinsame Feier des Lebens, kann schon für sich als Ritual verstanden werden.

Zusätzlich findet bei Biodanza in Jahreskreis eine kognitive Reflexion statt, die die mentale Entwicklung unterstützt.

Biodanza im Jahreskreis bietet jedoch noch mehr:

Durch die Verknüpfung mit dem Jahreskreis stellen wir die innere Verbindung zu den natürlichen Rhythmen des Lebens und der Natur (wieder) her, und öffnen damit einen direkten Zugang zu einer Form der existentiellen Erneuerung und zu der Entwicklung ökologischen Bewusstseins.

Termine

Meine Biodanza- Angebote orientieren sich thematisch und konzeptionell am Jahreskreis.

Genaue Termine, Preise, Veranstaltungsorte auch unter „Termine“.

 

Der Jahreskreis

Angelehnt an die Tradition der Naturreligionen, die das Jahr als Gefüge von Kräften versteht, die Unterstützung geben und auch erfahren, entstand das Symbol eines achtspeichigen Rades. Es markiert acht Rituale und unterteilt das Jahr in Abschnitte von sechs bis sieben Wochen.

Auf den Speichen des Rades liegen sich jeweils zwei Feste gegenüber:

Mit der Feier der Jahreskreisfeste unterstützen wir die kosmischen Kräfte und integrieren uns gleichzeitig in den zyklischen Prozess des Jahreslaufes. Wir feiern Gemeinsamkeit und fördern uns gegenseitig in unserem Wachstum. Daraus schöpfen wir die Möglichkeit, in regelmäßigen Abständen unsere persönliche Entwicklung zu reflektieren.

Gehen wir anhand dieser acht Feste durch das Jahr, entsteht eine dichte Verbundenheit zwischen der eigenen Lebensgestaltung und dem immer wiederkehrenden Lauf der Natur.

Viele Menschen leben heute in der Stadt, mehr oder weniger weit entfernt von der Natur.

Der Kreislauf des Jahres, der sich immer wiederholt, ist jedoch überall auf der Welt präsent. Er unterscheidet sich nur durch die klimatischen Bedingungen in den verschiedenen Gebieten der Erde.

Der Jahreskreis, wie ich ihn praktiziere, bezieht sich auf die Wachstumsperioden der Natur in unserem mitteleuropäischen Lebensraum. Wir haben eine recht deutliche Ausprägung der Jahreszeiten- anders als die Länder, die näher am Äquator liegen.

Doch egal wo wir leben:

Der Planet, sein Zyklus der Jahreszeiten, seine Wachstumsperioden, beeinflusst auch unsere Lebensführung – egal wie weit wir uns im Zeitalter der Industrialisierung und Globalisierung von der Natur entfernen mögen.

Eigene Lebensschritte fallen in der Harmonie mit dem Jahreslauf der Natur leichter.

So kann man beispielsweise sagen: Ein Umzug in der erneuernden Energie des Frühlings ist leichter zu bewerkstelligen, als wenn er in der Phase des Welken und Absterbens im Herbst realisiert werden soll…

Die Rituale des Jahreskreises, wie sie sich mir erschlossen haben, sind ein spirituelles Modell, das an keine etablierte Religion anknüpft und frei ist von Ideologien und Dogmen.

Biodanza hat durch seine besondere Gestaltung bereits einen rituellen Charakter.

Auch hier wird ein ritueller Raum geöffnet: der Raum, in dem das „Jetzt“ gefeiert wird, der Moment des Erlebens. Die „Vivencia“, das Erleben, in Biodanza beginnt und endet mit einem gemeinsamen Tanz im Kreis, der Gemeinschaft.

Biodanza ist eine Gruppentanzform. Wie bei Ritualen auch, erleben wir etwas „gemeinsam“. Gemeinsamkeit bedeutet wiederum viel mehr als die Summe ihrer Teile. Sie bedeutet, dass sich, wie auch bei den meisten Ritualen, die Energie durch die Dynamik der Gruppe potenziert, transformiert, dass etwas Neues entsteht, das über die Kraft des Einzelnen hinausführt.

Sowohl Biodanza als auch spirituelle Rituale nutzen diese Energie, lenken sie in positive Bahnen, um so die Heilung des Einzelnen, der Gemeinschaft und übergreifend betrachtet, des Planeten als Teil der Schöpfung, zu ermöglichen.

Die Verbindung von Biodanza mit den Festen des Jahreskreises ist meine persönliche Art, meine Erfahrungen mit diesen beiden Bereichen zu vertiefen und mit anderen Menschen zu teilen.

Poesie

Was die alte Frau sagt

Erzähl´mir: Was weißt du von der Tiefe deines Meeres

bist du von Küste zu Küste geschwommen und außer Atem an den Strand zurück gerannt

hast du Berge erklommen, Musik, gemacht, Feuer entfacht

hast du dich einem gefährlichen Unterfangen ausgesetzt von dem du vielleicht nicht hättest zurückkehren können

hast du nackt vor einem Spiegel gestanden und gesagt: „Hm, ich sehe gut aus“ und bist herumgetänzelt, um eine bessere Perspektive zu bekommen

hast du deine Lippen gegen ein anderes Paar Lippen gedrückt und wusstest nicht mehr, wo die einen endeten und die anderen begannen

hast du geliebt, Verlust erlebt, losgelassen, festgehalten, dich hingegeben

hast du tief in deinem Inneren Freude gespürt und gelacht wie eine Verrückte

hast du Geschichten erzählt, Geschichten gelauscht, Geschichten mit anderen gemeinsam erlebt

bist du von Angesicht zu Angesicht einem wilden Wesen begegnet und hast hingegeben hingehört, was die Erde zu sagen hat

bist du auf den Pfaden eines anderen Mneschen gewandert oder hast du unter freiem Himmel geschlafen

weisst du, was ich meine? sag mir hast du gelebt?

Tami Kent